Sonntag, 18. April 2021, 09:30 Uhr

Ein Wort zum Psalm 23

des Sonntags Misericordias Domini 2021 –

statt eines Gottesdienstes

 

Der Herr ist mein Hirte.

Gott ist mein Hirte. Einer der mich kennt. Bei meinem Namen kennt. Als Mensch kennt. So, wie ich bin. Mit meinen Stärken und Schwächen. Mit meinen Wünschen und Sorgen. Mit meinen Eigenheiten und Hoffnungen.

Gott ist mein Hirte. Der sich mir zu erkennen gibt. Als einer, der es gut mit mir meint. Dem ich vertrauen kann. Einer, der mich hütet. Und behütet.

Mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führt mich zum frischen Wasser.

Gott ist einer, der für mich sorgt. Er sorgt dafür, dass ich alles habe, was ich zum Leben brauche. Er hat uns seine reiche und bunte Schöpfung zur Verfügung gestellt. Zur verantwortungsvollen Verfügung. In Gottes Schöpfung dürfen wir leben, wir dürfen von ihr und aus ihr leben, und wir dürfen uns an ihr erfreuen. Ihre Fülle ist uns geschenkt.

Er erquickt meine Seele.

Gott sorgt auch für unsere Seele. Er versorgt sie mit Nahrung. Nahrung für die Seele. Das ist zum Beispiel die Liebe, mit der Gott uns begegnet. Und das ist die Hoffnung, dass Gott unser Schöpfer schöpferisch bleibt, dass er immer wieder alles neu macht, immer wieder Neuanfänge möglich macht. Beides erquickt unsere Seele. Erquicken bedeutet erfrischen, frischen Mut verleihen, frische Kraft schenken. Gottes Liebe schenkt uns die Kraft, selbst Liebe zu üben, gegenüber unseren Mitmenschen, aber auch uns selbst gegenüber. Und die Hoffnung auf Gottes schöpferische Kraft macht uns Mut, selbst schöpferisch unser Leben zu gestalten, die vielen kleinen und großen Neuanfänge in unserem Leben.

Er führt mich auf rechter Straße um seines Namens willen.

Gott passt auf, dass ich meinen Weg im Leben und durch´s Leben finde. Einen Weg, der mir gut tut, und der mich zu Gott führt. Und wenn ich mal vom Weg abkomme, einen Umweg oder eine Schleife gehe oder auch mal einen Schritt zurück, dann geht Gott mit mir, begleitet mich auch auf den krummen und holprigen Wegen, ist fest und verlässlich an meiner Seite. Denn das bedeutet sein Name: Ich bin da.

Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.

Gottes Gegenwart bedeutet nicht, dass es in unserem Leben keine Täler mehr gäbe. Es gibt Täler, und sie sind manches Mal finster. Erhellt wird eine solche Finsternis, wenn man getröstet wird. Getröstet zu werden ist wie eine Kerze, die in einem dunklen Raum angezündet wird, und deren heller und warmer Schein die Dunkelheit durchdringt. Gott tröstet uns in den Tälern unseres Lebens, indem er an unserer Seite ist und bleibt, und indem er uns Hoffnung schenkt: Die Hoffnung, dass die schweren Dinge nicht für immer so bleiben werden, wie sie sind. Noch nicht einmal der Tod wird bleiben, was er ist.

Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Du salbst mein Haupt mit Öl und schenkst mir voll ein.

Gott tut mir Gutes im Angesicht meine Feinde. Wer sind denn meine Feinde? Meine Feinde, das ist all´ das, was mich und mein Leben einschränkt und bedroht. Krankheit und Schicksalsschläge, Zweifel und Verzweiflung, Angst und Sorgen, schließlich der Tod. Diese Dinge sind da, sie feinden mich an. Doch Gott setzt ihnen etwas entgegen. Jesus hat uns gezeigt, dass die guten Kräfte stärker sind: Die Liebe, die Hass und Feindschaft zwischen Menschen zu überwinden vermag. Die Hoffnung, die uns immer wieder neuen Mut und neue Kraft schenkt, und die uns frohe Zuversicht verleiht. Schließlich das Vertrauen auf Gott, der uns nicht allein lässt, und der uns versprochen hat, dass am Ende unseres Lebens das Leben stehen wird.

Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Haus des Herrn immerdar.

Das Haus des Herrn. Der Ort, an dem ich sein möchte. Der Ort, an dem gut Sein ist. Dort werde ich immer bleiben. Das heißt aber, ich bin schon da. Empfinde ich die Welt als Haus des Herrn? Oftmals nicht. Manchmal aber schon. Wenn ich etwas Gutes erfahre, von anderen Menschen oder von Gott. Und wenn ich Barmherzigkeit erfahre, von anderen Menschen oder von Gott. Dann spüre ich, wie es sich anfühlt, im Hause des Herrn zu leben. Dort ist Liebe, dort ist Hoffnung, dort ist Leben. Ich bin schon da.

 

Ich grüße Sie herzlich zum Sonntag Misericordias Domini!

Ihre Pfarrerin Valeska Basse

Alt-Schmargendorf: Ein Wort statt eines Gottesdienstes
Mitwirkende
Ort Breite Straße 38, 14199 Berlin